Die Psychologie der Emotionen

Paul Zak: The Moral Molecule

zak_moral_moleculeAls Moses am Berg Sinai die Tafel mit den Zehn Geboten erhält und Kant 3000 Jahre später seinen Kategorischen Imperativ aufstellt, ahnen sie noch nichts: Was Religion und Philosophie uns mühsam per Gebot oder Verbot einschärfen wollen, hat die Evolution bereits in der Natur des Menschen angelegt. Ein winziger biologischer Baustein sorgt dafür, dass wir weniger egoistisch sind, als oft angenommen wird: Oxytocin. Der  Psychologe Paul Zak glaubt, in dem Hormon den ursprünglichen physiologischen Impuls für kooperatives und moralisches Verhalten gefunden zu haben.

Oxytocin ist häufig dann im Spiel, wenn sich ein vertraulicher Kontakt zwischen zwei Personen anbahnt:  Blutdruck und Herzfrequenz sinken, Stresshormone wie Cortisol werden runter geregelt, Wohlfühl-Hormone wie Serotonin und Dopamin hingegen aktiviert. Resultat ist, dass wir uns geborgen und sicher fühlen und Zutrauen zu unserem Gegenüber fassen. Zak hat eine Reihe von Experimenten durchgeführt, die zeigen, dass Menschen großzügiger und fürsorglicher agieren, wenn das Oxytocin-Niveau im Körper ansteigt. In einer viel zitierten Studie zeigte Thomas Insel bereits 1992 an Wüstenspringmäusen, dass Oxytocin, beim Orgasmus ausgeschüttet, Männchen und Weibchen ein Leben lang als monogames Paar zusammenschweißt. Hemmt man den Transmitter, bleibt es beim One-Night-Stand. Was für die Nager gilt, wurde inzwischen auch für das menschliche Hormonsystem nachgewiesen, auch wenn es für uns Menschen nicht gleich “lebenslänglich” bedeutet. In den Medien wurde Oxytocin deshalb schon vor Paul Zak als Knuddel-Hormon gehandelt.

Doch Zak, der frühere Ökonom, spannt den Bogen weiter. Er will nicht nur die Bedeutung von Oxyctocin für persönliche Bindungen, sondern ebenso dessen Einfluss auf marktwirtschaftlich organisierte Gesellschaften erklären. Vertrauen wird bei ihm zu einer moralischen Größe, ohne die Handel aus seiner Sicht nicht florieren kann. Seine Versuchsaufbauten entsprechen deshalb den mittlerweile klassischen Spielen um Public Goods, die die Verhaltensökonomen geprägt haben. Er schließt aus seinen Experimenten, dass Menschen sich auch ohne Religion und moralische Instanzen für eine vertrauensvolle Kooperation mit Mitmenschen interessieren: Sie agieren moralisch, weil es sich gut anfühlt. Weil es evolutionär sinnvoll ist, zu kooperieren. Hängen Markt und Moral im Lichte dieses emotionsgeladenen sozialen Austausches stärker zusammen, als Volks- und Wirtschaftswissenschaftler uns gerne glauben machen? Die Untersuchungen von Zak legen dies nahe.


Offizielle Website von Paul Zak: www.pauljzak.com/

Paul Zak auf TED: www.ted.com/speakers/paul_zak

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